KUNSTREFERENZEN IM BEWEGTBILD

FILMFORUM  Sonntag 18.11. 17.00 Uhr Filme und Videos aus der Sammlung Museum Ludwig

Die Kunst im Film (Video)

Was will die Kunst vom Film? Diese Frage ist in den letzten Jahren immer wieder gestellt und vielfach beantwortet worden.
In diesem Programm sind Filme und Videos aus der Sammlung des Museum Ludwig zusammengestellt, deren Antwort auf die Frage lautet: Die Kunst will im Film (oder im Video) ironisch oder ernsthaft, witzig oder kritisch vermitteln, was Kunst eigentlich auszeichnet. Die Filme und Videos thematisieren die Malerei (Roman Signer, Maria Lassnig), die Institution Kunst, bzw. die Institution Museum (John Baldessari, Erik van Lieshout). Sie zitieren die Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts (Ulrike Rosenbach, Corinna Schnitt) oder wollen einer verehrten Künstlerkollegin eine Hommage bringen (Bruce Conner).

kuratiert von
Dr. Barbara Engelbach Kuratorin Sammlung Zeitgenössische Kunst, Fotografie und Medienkunst, Museum Ludwig.

Baldessari Sings LeWitt

USA 1971, John Baldessari, Video s/w,
15 min.

John Baldessari
1931 in National City, Kalifornien, USA
lebt in Santa Monica, Kalifornien, USA

John Baldessaris Filme und Videos lassen sich als praktische Übungen in Kunst- und Medientheorie begreifen. Baldessari Sings LeWitt bezieht sich auf einen selbstreflexiven Kunstbegriff. Sol LeWitts 35 Sätze zur Konzeptkunst werden von Baldessari zu verschiedenen bekannten Melodien gesungen.

Punkt

CH 2006, Roman Signer, Video Farbe,
1’40 min.

Roman Signer 1938 in Appenzell, Schweiz
lebt in St. Gallen, Schweiz

Seit 1975 nutzt Roman Signer die Möglichkeit, wesentliche Aspekte seines Schaffens – Zeit und inszenierte Transformation – im bewegten Bild zu dokumentieren. Ein Schwanken zwischen Heiterkeit und Unglück findet man in Signers Aktion Punkt: Unweit des Künstlers in der Rolle eines vor seiner Staffelei sitzenden Landschaftsmalers explodiert eine kleine Box.

KANTATE

A 1992, Maria Lassnig, 35mm Farbe, 8 min.

Maria Lassnig
1919 in Kappel am Krappfeld, Kärnten, Österreich
lebt in Wien und Kärnten, Österreich

Die Kantate, eine Moritat über das enttäuschungsreiche Künstlerleben, kombiniert Zeichnung und Realbild. Die Künstlerin tritt in verschiedenen Verkleidungen als Bänkelsängerin auf. Die von Lassnig stammende Animation greift vor allem auf grobe Klischees zurück.

DAS MUSEUM

D 2009, Erik van Lieshout, Videoinstallation Farbe, 21 min.

Eric van Lieshout
1968 in Deurne, Niederlande
lebt in Köln und Rotterdam

Immer wieder inszeniert sich Erik van Lieshout als Protagonist seiner Filme, der sich in unterschiedlichen Situationen mit der Kamera selbst beobachtet. Im Video „Das Museum“ untersucht er die Bedingungen der eigenen künstlerischen Arbeit. Er schlüpft in die Maske von Spiderman, um die Netze des Kunstbetriebs zu erkunden.

Glauben Sie nicht, dass ich eine Amazone bin

D 1975, Ulrike Rosenbach, Video s/w,
13 min.

Ulrike Rosenbach 1943 in Salzdetfurth
lebt in Saarbrücken und Köln

Ulrike Rosenbach ist eine der ersten Künstlerinnen, die sich im Medium Video mit der Rolle der Frau in einer patriarchalisch geprägten Mediengesellschaft befassen. Selbstreflexiv nähert sie sich dem Thema über die Aneignung klischeehafter Frauenbilder. Die Arbeit „Glauben Sie nicht, daß ich eine Amazone bin“ geht auf eine Performance zurück, in der die Künstlerin eine Reproduktion des mittelalterlichen Gemäldes Madonna im Rosenhag von Stefan Lochner mit Pfeil und Bogen beschiesst.

Das schlafende Mädchen

D 2011, Corinna Schnitt, 16mm Farbe,
9 min.

Corinna Schnitt 1964 in Duisburg
lebt in Köln und Berlin

Eine einzige lange Kamerafahrt zeigt dem Zuschauer eine modellhafte Einfamilienhaussiedlung. Hier ist jedes Haus hübsch, neu und gleicht dem anderen. Die Siedlung scheint aber menschenleer und gespenstisch zu sein, da kein Zeichen von Leben in den Gärten oder auf den Strassen zu spüren ist. Diese bedrohliche Atmosphäre wird plötzlich von dem Klingeln eines Telefons unterbrochen.

THE WHITE ROSE

USA 1967, Bruce Conner, Video, 7 min.

Bruce Conner
1933 in McPherson, Kansas, USA
gest. 2008 in San Francisco, Kalifornien, USA

Bekannt wurde Bruce Conner durch seine Assemblagen aus den 1950er Jahren. Die Strategie, vorgefundenes, vorgefertigtes Material zu verwenden, überträgt Conner auch auf seine filmischen Arbeiten. In „THE WHITE ROSE“ zeigt Conner den Umzug des massiven Gemäldes „The Rose“ der Künstlerin Jay DeFeo durch die abgerissene Wand des oberen Stocks ihres Ateliers in San Francisco.